Mihoko Kimura und edition offenburg

Die Verlegerin Mihoko Kimura kommt ursprünglich aus Japan, ist Geigerin und hat selbst bis 2010 fast 40 Jahre lang mit ihrer Barockgeige in verschiedenen Ensembles weltweit konzertiert, vornehmlich mit La Petite Bande (Sigiswald Kuijken), Concerto Vocale (Rene Jacobs) und Les Arts Florissants (William Christie). Die Gründung eines Musiknoten-Verlags stellt die Fortsetzung ihrer musikalischen Aktivitäten in der Alten Musik dar.

 

Mihoko Kimura Bei der Vorbereitung des Notenmaterials für ein Konzert oder eine Aufnahme musste ich oft selber Noten abschreiben oder stundenlang „Bastelarbeit“ leisten: fotokopieren, mit der Schere die benötigten Zeilen ausschneiden und neu aufkleben, unnötige Zeichen oder Flecken retuschieren und wiederum kopieren. Und das manchmal für ein ganzes Orchester!

Denn es gab und gibt viele Stücke, die entweder noch nie herausgegeben worden sind, oder aber in sogenannten „eingerichteten“ Ausgaben voller Interpretationszeichen, bei denen Original und Hinzufügungen von den Herausgebern nicht zu unterscheiden sind, oder lediglich in umfangreichen musikwissenschaftlichen Ausgaben enthalten sind, die wegen ihres Gewichtes und des nötigen Umblätterns auf der Bühne unmöglich zu gebrauchen sind. Deswegen also kopieren, schneiden, kleben, retuschieren und womöglich noch einmal kopieren. Die modernen digitalen Entwicklungen haben hier zu großen Erleichterungen geführt.

Die Idee und deren Umsetzung eines eigenen Musiknoten-Verlags sind also tatsächlich die direkte Fortsetzung meiner vierzigjährigen musikalischen Aktivitäten in der Alten Musik.

 

Notentexte im 17. und 18 Jahrhundert wurden sehr oft nur als Stimmbücher herausgegeben. Die Partituren werden daraus neu ediert. Wenn die Originalstimmbücher sauber, gut lesbar und spielpraktisch gedruckt sind, werden sie als praktisches Faksimile, mit Taktzahlen versehen und zusammen mit einer neu edierten Partitur, herausgegeben. Denn das originale Notenbild vermittelt uns immer noch sehr viele wertvolle musikalische Informationen.

Andererseits enthalten Manuskripte oft Stellen, die schwer zu lesen oder zu interpretieren sind. Zum Beispiel ein Bindebogen, der irgendwo flüchtig und vage über die Noten hingezeichnet wurde - wie kann man verbindlich entscheiden, von welcher bis zu welcher Note der Bogen gelten sollte? Das Prinzip von edition offenburg ist es, Stellen, die wirklich uneindeutig sind, von Seiten des Herausgebers so zu belassen, wie sie ursprünglich notiert wurden und somit die musikalische Entscheidung dem jeweiligen Interpreten zu überlassen. Zumal es ohnehin charakteristisch für Notentexte der Barockepoche ist, dass sie dem Spieler viel Freiraum lassen.